Heidingsfeld
War von 1367 bis 1929 eine eigene Stadt, und man sieht es bis heute: Marktplatz, Rathaus, eine fast geschlossene Stadtmauer. Einheimische sagen Hätzfeld.
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- Einwohner
- 10.541
- Fläche
- 6,90 km2
- Luftlinie nach Würzburg
- 4,0 km
Einwohner (Stand 31.12.2025), Fläche und Bezirksgrenzen: Stadt Würzburg, Statistikstelle sowie Geodaten und Vermessung, CC BY 4.0
Drei Kilometer südlich der Altstadt liegt der Stadtteil, der am wenigsten nach Vorstadt aussieht. Heidingsfeld hat einen eigenen Marktplatz, ein eigenes Rathaus, eine Mauer mit Türmen drumherum und einen Dialektnamen für sich selbst. Das kommt daher, dass es lange keine Vorstadt war, sondern eine Stadt neben der Stadt: 562 Jahre lang, und manche legen bis heute Wert darauf, in erster Linie Heidingsfelder zu sein und erst dann Würzburger. Mit 10.541 Einwohnern auf nicht ganz sieben Quadratkilometern gehört es zu den größeren Stadtbezirken.
Von Hedans Feld zur böhmischen Stadt
Der Name steht schon in der Würzburger Markbeschreibung von 779 und geht vermutlich auf den thüringischen Herzog Heden zurück, auf dessen Feld. Um 849 ist in der villa Heitungsfelden karolingisches Königsgut nachweisbar, das ein Graf Sigihard von Ludwig dem Deutschen als Lehen hielt. Ab 1268 war Heidingsfeld unmittelbares Reichsdorf.
1367 kam der Sprung: König Wenzel IV. erhob den Ort in den Rang einer königlich böhmischen Stadt, ermächtigt von seinem Vater Kaiser Karl IV. Deshalb steht im alten Heidingsfelder Wappen ein doppelschwänziger gekrönter Löwe im Stadttor, und der Löwe ist der böhmische. 1508 ging die Stadt ans Hochstift Würzburg, 1628 kam sie unter fürstbischöfliche Gewalt, und eigenständig blieb sie trotzdem bis 1929.
Eingemeindet wurde sie zum 1. Januar 1930, nach einer Volksabstimmung, zusammen mit Heuchelhof, Vogelshof und Zwickerleinshof. Fünfzehn Jahre später war fast nichts mehr davon übrig: Beim Bombenangriff am 16. März 1945 wurden rund neunzig Prozent Heidingsfelds zerstört.
Die Mauer und was von den Toren blieb
Mit dem Stadtrecht begann 1367 auch der Bau der Befestigung, fertig war sie im 15. Jahrhundert. Es entstanden sechs bis acht Meter hohe Mauern, vierzehn Türme, Wall und Wassergraben, unterbrochen von drei Zugängen mit Holztoren. 1613 wurde das ganze System erneuert, und von da an fanden im Dreißigjährigen Krieg auch Leute aus den Nachbardörfern dahinter Schutz.
Die Torbauten sind im 19. Jahrhundert bis auf einen abgerissen worden. Der eine ist das Nikolaustor, der nördliche Zugang, also der aus Richtung Würzburg. Die Mauer selbst steht fast geschlossen und wurde zwischen 2005 und 2007 saniert. Ihre Besonderheit sind zwei Wehrgänge, die den Heigelsbach überqueren: das Döle und das Speierloch. Dazu Salmannsturm, Dollturm und Stegenturm.
Die katholische Pfarrkirche St. Laurentius stammt aus dem 12. Jahrhundert und stand 1945 nur noch als romanischer Turm. Den Wiederaufbau leitete 1948 Dombaumeister Hans Schädel. Vor der Kirche steht eine Ölberggruppe von etwa 1510 aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders, heute als Kopie. Ein Stück weiter liegt der ehemalige Zehnthof des Ritterstifts St. Burkard, ein Renaissancebau von 1574 mit Rundturm und Treppengiebel.
Wer den Ort auf eigene Faust ablaufen will: Die Stadt hat ein touristisches Leitsystem mit Tafeln und Stelen aufgestellt, unter dem Titel „Giemaul erzählt“.
Das Giemaul
Damit sind wir bei der Figur, an der in Heidingsfeld kein Weg vorbeiführt. Die Sage spielt im Dreißigjährigen Krieg: Im Oktober 1631 hielten viele Bürger die Eroberung ihres Städtchens für unabwendbar, und einer ließ die schwedischen Truppen durch das Bett des Zwischengemäuerbachs herein. Als die Schweden 1634 wieder abzogen, schnitt man dem Verräter die Zunge heraus und nagelte seinen Kopf zur Abschreckung ans Rathaus. Urkundlich belegt ist davon nichts.
Am Rathausgiebel hängt seither ein finster blickender, schwarzbärtiger Mann in roter Uniform, und jeden Tag um 12 Uhr mittags sperrt er sein Maul auf, ohne einen Laut hervorzubringen. Das erste Giemaul wurde 1945 zerstört, das heutige schnitzte der Heidingsfelder Bildhauer Oskar Müller, angebracht 1960. Der Name kommt vom Dialektwort giehna für gähnen.
Das Rathaus darunter ist ebenfalls eine Geschichte für sich: Es wurde 1960 gebaut, und ein Rat hat darin nie getagt. Es ist Bürgertreff und Standort der Stadtteilbücherei.
Wer hier wohnt
Heidingsfeld besteht aus vier Teilen, und sie sehen verschieden aus. Das Städtle ist der Altort innerhalb der Mauer. Die Lehmgrubensiedlung liegt am Hang des Blosenbergs und ist ein Stück Sozialgeschichte: Ab 1932 bauten die Bewohner dort Siedlerhäuschen mit großen Gärten in Eigenleistung, unterstützt durch ein Darlehen des Kaufmanns Bernhard Kupsch. Gebaut wurden die Häuser gemeinsam und danach unter den künftigen Bewohnern verlost, damit sich beim Bauen niemand übervorteilen konnte. Der Katzenberg östlich der Bahnlinie ist reines Wohngebiet, dazu kommt das Gewerbegebiet Heidingsfeld-West.
Was den Ort zusammenhält, sind die Vereine: über 45 sind es, und die Bürgervereinigung ist der Dachverband für 45 davon. Der Winzerverein von 1859 gilt als der älteste Winzerverein Deutschlands. Schulen gibt es zwei, die Walther-Grundschule und die Josef-Greising-Schule, das städtische Berufsbildungszentrum für die Bauberufe.
Zur Geschichte gehört auch, dass sich 1565 aus Würzburg vertriebene Juden in Heidingsfeld niederließen und der Ort damit zu einem wichtigen religiösen Zentrum wurde. Die Synagoge wurde 1938 von den Nationalsozialisten zerstört.
Was im Jahr passiert
Der Kalender ist voll, und fast alles davon machen Vereine. Am Faschingsdienstag zieht um 14.33 Uhr der Hätzfelder Faschingszug, dazu kommen Prunksitzungen, Kneipenfasching und ein Kinder-Giemaul-Fasching. Im Frühjahr der Ostermarkt und die Maibaumaufstellung, im Sommer das Giemaulfest, das Mühlenfest und Ende Juli die Hätzfelder Schoppentage am Salmannsturm. Im Herbst der Kulturherbst im Salmannsturm, im Dezember der Adventsmarkt und das Adventssingen, und am 6. Januar das Stärketrinken.
Ganzjährig ist der Radlersaal die Bühne des Stadtteils, der Saal des 1. Radler-Clubs von 1899: Lesungen, Kleinkunst, Kabarett. Was bei uns im Kalender unter Heidingsfeld auftaucht, kommt meistens von dort.
Wo man einkehrt
Für einen Stadtteil dieser Größe ist die Dichte an griechischen Häusern auffällig, dazu kommen Italiener, indische Küche und die fränkische Seite. Die Weinstube A. Fesel ist ein Weingut in zweiter Generation, die Altdeutschen Weinstuben und die Giemaulschänke liegen im Städtle, und bei Roth sind Bäckerei, Konditorei und Weinstube dasselbe Haus.
Übernachten geht hier ebenfalls, und zwar günstiger als in der Altstadt: Der Campingplatz Kalte Quelle liegt am Main, das Hotel Brehm am Ortsrand.
Hinkommen
Die Straßenbahnlinien 3 und 5 fahren nach Heidingsfeld, dazu mehrere Buslinien. Seit dem 11. Dezember 2022 hält am Haltepunkt Würzburg Heidingsfeld Ost wieder stündlich ein Zug, nachdem der Personenverkehr in den 1980er Jahren eingestellt worden war; der Bahnhof Heidingsfeld West ist derzeit nicht bedient. Wer mit dem Auto kommt, fährt an der Anschlussstelle Würzburg-Heidingsfeld von der A3 ab. Mit dem Rad sind es am Main entlang etwa zwanzig Minuten aus der Altstadt, vorbei an der Kalten Quelle.
Einwohnerzahl (Stand 31.12.2025), Fläche, Ortsteile, Vereine, Feste und Verkehr nach dem WürzburgWiki (Artikel Heidingsfeld, Heidingsfelder Stadtmauer, Giemaul), Geschichte zusätzlich nach der deutschsprachigen Wikipedia, beides abgerufen am 10.09.2026. Lokale, Unterkünfte und verlinkte Orte aus dem eigenen Bestand.
Was demnächst läuft
Sehenswertes und Ausflugsziele
Nikolaustor
Stadttor der Heidingsfelder Befestigung, die fast vollständig erhalten ist: acht Meter hohe Mauern und vierzehn Türme.
Schlangenspielplatz
Öffentlicher Spielplatz im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld, Bolzplatz gleich daneben.
eFoil fahren auf dem Main
Elektrisches Surfbrett mit Tragflügel, das über dem Wasser schwebt. Kurs für Anfänger, Miete für Geübte.
Essen und trinken in Heidingsfeld
Altdeutsche Weinstuben
City Döner Haus
Gaststätte Jahnwiese Athen
Giemaulschänke
Nikopolis
Ristorante Portanova
Übernachten
Was hier noch fehlt
1 Termine sind für eine Gemeinde mit Vereinsleben wenig. Das liegt nicht daran, dass dort nichts stattfindet, sondern daran, dass Kirchweih, Feuerwehrfest und Vereinsjubiläum nirgends im Netz stehen, wo man sie automatisch abholen könnte. Sie stehen am Schaukasten und im Mitteilungsblatt.
Wenn Sie so einen Termin kennen, tragen Sie ihn ein. Das dauert zwei Minuten, kostet nichts, und wir sehen ihn uns an, bevor er erscheint. Wer für eine Gemeinde oder einen Verein schreibt und uns regelmäßig etwas schicken möchte, meldet sich am besten direkt.