Sonnenfinsternis am 12. August 2026 über Würzburg

Am Abend des 12. August 2026 schiebt sich der Mond vor die Sonne. In Würzburg bleibt zum Höhepunkt nur eine schmale Sichel übrig. Der Haken: Die Sonne steht dann schon fast am Horizont, und wer nach Westnordwesten keine freie Sicht hat, sieht davon nichts.

Dieser Text war bis zum 12. August 2026 geprüft. Termine und Uhrzeiten darin gelten für dieses Datum und sind inzwischen überholt. Wir schreiben ihn fort, sobald die neuen Werte vorliegen.

Die Uhrzeiten für Würzburg

WasWannSonne steht dann
Beginn, der Mond berührt den Sonnenrand19:21 Uhr12 Grad über dem Horizont
Höhepunkt, größte Bedeckung20:14 Uhr4 Grad über dem Horizont
Sonnenuntergang20:44 Uhram Horizont
Rechnerisches Ende21:04 Uhrlängst untergegangen

Die letzte Zeile ist der Punkt, den man leicht überliest. Die Finsternis ist rechnerisch erst um 21:04 Uhr vorbei, aber in Würzburg geht die Sonne zwanzig Minuten vorher unter. Das Ende sieht hier niemand.

Wie viel wird bedeckt

Die Volkssternwarte Würzburg nennt für den Höhepunkt 93 Prozent. Andere Quellen nennen für Frankfurt und München 88 bis 89 Prozent, und das ist kein Widerspruch: Die eine Zahl misst den Durchmesser der Sonne, die andere die verdeckte Fläche. Beides beschreibt dasselbe Bild.

Und das Bild ist ungewöhnlich. Bei über neunzig Prozent wird es spürbar dämmrig, die Farben werden flau, es kühlt merklich ab. Dunkel wie bei einer totalen Finsternis wird es allerdings nicht. Dafür fehlen die letzten Prozent, und die letzten Prozent machen fast den ganzen Unterschied.

Der eigentliche Haken: die Sonne steht zu tief

Bei vier Grad über dem Horizont ist die Sonne etwa acht Sonnendurchmesser über der Kante. Das heißt in der Praxis: Jedes Haus, jede Baumreihe und jeder Hügel in Blickrichtung kann sie verdecken.

Die Richtung ist Westnordwesten, ungefähr 289 Grad. Wer sich nicht sicher ist: Das ist deutlich rechts von der Stelle, an der die Sonne im Winter untergeht.

Wo man in Würzburg hinschauen kann

Ich hatte erwartet, dass die Altstadt keine Chance hat, weil im Westen der Nikolausberg mit seinen 359 Metern aufragt. Das war falsch, und die Rechnung hat es gezeigt: Der Berg liegt südwestlich, nicht westnordwestlich. In Richtung 289 Grad blickt man das Maintal hinunter, und dort ist es offen.

Für zwölf Punkte in und um Würzburg habe ich das Geländeprofil in Blickrichtung abgetastet und den höchsten Erhebungswinkel bestimmt. Ergebnis: An keinem davon steht ein Berg im Weg. Selbst am Marktplatz liegt der Geländehorizont bei 1,2 Grad, also unter den 4 Grad, die die Sonne noch hat.

Damit ist in der Stadt nicht das Gelände das Problem, sondern die Bebauung. Vier Grad bedeutet: Ein zwölf Meter hohes Haus verdeckt die Sonne noch aus 170 Metern Entfernung. Zwischen Häuserzeilen sieht man deshalb nichts, auf einer freien Fläche schon.

Frei nach Westnordwesten und ohne Anfahrt:

  • Die Talavera. Große offene Fläche direkt am Main, Blick über das Wasser nach Nordwesten. Geländehorizont 1,4 Grad.
  • Die Alte Mainbrücke und die Mainkais. Das Flusstal ist die Lücke in der Bebauung. Die Brücke wird an dem Abend voll sein.
  • Die Festung Marienberg, Geländehorizont 0,6 Grad. Hier ist zu bedenken, dass die Aussichtsterrassen nach Osten auf die Stadt zeigen, man muss sich also die richtige Seite suchen.
  • Die Frankenwarte auf dem Nikolausberg. Mit 381 Metern auf der Turmplattform der höchste Punkt in der Rechnung, der Geländehorizont liegt sogar unter null. Von dort blickt man über alles hinweg.

Was diese Rechnung nicht kann: Sie kennt Bäume und Häuser nicht. Sie sagt, wo kein Berg im Weg steht, nicht, wo garantiert freie Sicht ist. Wer sicher gehen will, sucht sich den Platz bei Tageslicht vorher aus.

Ohne Brille geht gar nichts

Das ist keine Formalie. Auch wenn nur ein paar Prozent der Sonne übrig sind, reicht das Restlicht aus, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen, und zwar schmerzfrei, weil die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren hat. Man merkt den Schaden erst hinterher.

Was funktioniert: eine Sonnenfinsternisbrille nach ISO 12312-2. Die kostet wenige Euro, muss aber unbeschädigt sein, also keine Kratzer und keine Löcher in der Folie.

Was nicht funktioniert und laut Bundesamt für Strahlenschutz gefährlich ist: Sonnenbrillen, mehrere Sonnenbrillen übereinander, berußte Gläser, Schweißerglas ohne passende Schutzstufe, belichteter Film, CDs, Rettungsdecken.

Besonders wichtig: niemals durch Fernglas oder Fernrohr, auch nicht mit Finsternisbrille. Die Optik bündelt so viel Licht, dass die Folie durchbrennen kann, und dann ist es zu spät.

Wer keine Brille bekommt, kann die Finsternis trotzdem sehen, indem er sie projiziert. Ein Loch in einem Stück Pappe wirft ein Bild der Sonnensichel auf ein Blatt Papier dahinter. Das klingt unspektakulär, funktioniert aber, und man schaut dabei von der Sonne weg.

Und in derselben Nacht die Perseiden

Der 12. August 2026 ist auch der Tag, an dem die Perseiden ihr Maximum erreichen. Und weil am selben Tag Neumond ist, stört kein Mondlicht. Diese Kombination gibt es selten. Wer abends die Finsternis anschaut, kann gleich draußen bleiben.

Die genannten Orte bei uns

Woher die Zahlen kommen: Uhrzeiten und Bedeckungsgrad für Würzburg: Volkssternwarte Würzburg e.V. (sternwarte-wuerzburg.de/vswsof26.shtml). Sonnenuntergang und Sonnenstand eigen berechnet für 49,7913 Nord / 9,9534 Ost. Die Sichtbarkeitsprüfung ist eine eigene Geländerechnung, Verfahren siehe unten. Sicherheitshinweise nach Bundesamt für Strahlenschutz. Zuletzt geprüft am 10. August 2026.

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